Besuch der Samurai-Ausstellung in Speyer

Geschrieben von Andreas Nicol am 14.07.2008 um 17:19
Berichte

Schon von weitem erkennt der Reisende den Dom und beim Erreichen der Stadtgrenze grüßen die Flugzeuge des Technik-Museums (jetzt neu mit Buran) in dramatischer Flugpose: Wir sind wieder einmal in Speyer. Das Historische Museum der Pfalz lockt erneut mit einer interessanten Ausstellung. Nach Hunnen und Persern, nach Napoleon und Leonardo da Vinci nun das Thema „Samurai“ – Volltreffer!
Zusammen mit den Naginataka des Polizeisportvereins Mainz kamen wir, um die Ausstellung zu besuchen und eine Führung durch einen kundigen Freund zu genießen. Bereits aus der Ferne erblickte uns Willi vom riesigen Werbeplakat über dem Museumseingang (den echten Willi hätten wir gerne mitgebracht, jedoch hatte er leider keine Zeit). Noch grotesker war die Situation im Museumsladen, in dem wir von einem ganzen Heer kleiner Willis wahrhaft umzingelt waren, die auf Buchdeckeln und manch anderen Dingen aufgedruckt waren. Nun aber rein in die Ausstellung – wohl dem, der seine Freikarte beim „damals“-Preisrätsel gewonnen hat.
Kommen wir gleich zu den Stangenwaffen. Dass sich unter diesen eine einzige Naginata befindet hatten wir bereits im Voraus gehört – leider auch, dass die Klinge auf Bitte ausleihenden Museums nicht gezeigt werden darf. Schade. Sehr schade sogar, da dies sicherlich daran liegt, dass sich die Klinge in einem schlechten Zustand befindet. Während es auf der einen Seite überraschend war, wie viele Exponate sich für eine solche Ausstellung doch in Europa finden lassen, ist dies oft auch der Fluch so mancher Klinge oder Rüstung. Wenn ein kenntnisreicher, motivierter Konservator fehlt, der zudem über die nötigen Mittel verfügen muss, dann verfällt das eine oder andere Stück ungesehen in den Tiefen der Magazine.
So bleibt uns nur der Blick auf den schmucken Stock & die Lackscheide, und wir müssen die Klinge erahnen. Den Proportionen nach handelt es sich vermutlich um eine Waffe der Edo-Epoche. Eine Datierung bleibt uns das Schildchen leider schuldig. Genau so verhält es sich leider auch mit den Kama Yari und dem mysteriösem Exponat mit roter Scheide und kantiger Querstange. Dies ist zwar als Yari ausgewiesen, aber es handelt sich hier der Saya-Form nach entweder um eine Nagamaki- oder Naginata-Klinge in seltener Kagitsuki-Montierung, der geringen Krümmung nach wohl eher um Ersteres.
Ein Schwerpunktthema unserer Führung war der kulturelle Austausch zwischen Orient und Okzident. Dieser zeigt sich insbesondere am Thema Teppô, da die Einführung der Feuerwaffen zeitgleich mit dem Auftauchen europäischer Schiffe an japanischen Küsten geschah. Andere Exponate dokumentierten die Entwicklung des Brustpanzers zum massiven Kürass europäischen Vorbilds hin, der in die bewährte japanische Rüstungskonzeption integriert wurde. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist auch der Helm aus japanischer Fertigung im Stil eines spanischen Morion jedoch in klassischer japanischer Streifenbauweise.
Viele besondere Helme konnten wir bewundern (mit und ohne Getier) und sogar eine Rüstung nach europäischer Konfektionsgröße, die für den deutschen Botschafter in den dreißiger Jahren gefertigt worden war – allerdings ohne, wie man erwarten könnte, buddhistisches Swastika. Unter den Klingen befand sich sogar das gute Solinger Nôdachi. Zu den typischen Elementen des Museums Speyer gehört das Bildschirm-Periskop, vormals zeigte es noch römische Münzen, nun Tsuba, und der Bereich für Kinder, in dem jetzt Origami falten angesagt ist.
Speyer war wieder einmal die Reise wert. Schon die Reise selbst wird uns in Erinnerung bleiben dank der Verkehrskontrolle. Zitat einer Polizistin mit Blick auf eine Naginata-Tasche: „Was ist denn das? Waren Sie Angeln?“ Da war sie nun endlich - die Gelegenheit, den für den verregneten Japan-Tag in Düsseldorf einstudierten Moderationstext doch noch an interessierte Ohren zu bringen: „Die Naginata ist eine über 2 Meter lange japanische Stangenwaffe ...“

Anmerkung: Photos zum Thema sind, dem Schutz der Exponate wegen, natürlich rar. Bilder der Ausstellung findet man am Besten im äußerst empfehlenswerten Katalog.

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