Große Budo-Vorführung japanischer Studenten

Geschrieben von Andreas Nicol am 29.01.2009 um 20:48
Berichte

Jedes Jahr sendet die japanische Sporthochschule (Nittaidai) die Studenten des Fachbereichs Budo, die im dritten Jahr sind, auf eine Auslandsreise. Auf dieser Reise zeigen die Studenten Ihr Können in Vorführungen und sie haben die Gelegenheit zu erfahren, wie die japanischen Kampfkünste im Ausland praktiziert werden. 2008 führte sie die Reise nach Deutschland.
Nach dem wir bereits die Gelegenheit gehabt hatten, die Naginata-Gruppe der Nittaidai-Delegation bei uns im Training als Gast zu Besuch zu haben, waren wir natürlich schon sehr gespannt, wie Ihr Beitrag zur Vorführung ausfallen wird. Während Ihrer Reise haben die Studenten sowohl in Köln aus auch in Düsseldorf eine Vorführung zum Besten gegeben.
Los ging es mit einer von drei beeindruckenden Taikô-Choreographien, welche die Studenten neben den Beiträgen aus ihrem Budô-Fachgebiet noch zusätzlich einstudiert hatten. Weiter ging es mit einer Tanzdarbietung aus Okinawa. Getreu dem Motto „Faszination der Bewegung“ beinhaltete das Vorführungsprogramm auch mehrere japanische Tanzdarbeitungen. Den Hauptanteil machten natürlich die Budô-Programmpunkte aus, deren erster Kyûdô war. Aus Stand und Sitz verschoss die vorführende Meisterin Pfeile mit Pfeifenkopf – eine Zeremonie, die man nur sehr selten zu sehen bekommt. Darauf folgte die studentische Sumô-Gruppe, die mit schmerzhaft aussehenden Dehnübungen eindrucksvoll zeigte, über wie viel außerordentliche Beweglichkeit die oft unterschätzten Ringer verfügen.
Harmonische Bewegungen und das elegante Umleiten des Impulses des Angreifers zeigte die Aikidô-Gruppe. In der Jûdô-Vorführung waren insbesondere die Falltechniken beeindruckend, insbesondere das Abrollen und Wiederaufstehen nach der Überquerung der „menschlichen Pyramide“. Die Karate-Gruppe demonstrierte unter anderem Bruchtests mit allen möglichen Extremitäten. In Düsseldorf war dieser Programmpunkt zusätzlich noch in eine witzige Rahmenhandlung eingebettet – vielleicht tat der Kopf vom Mittwoch noch weh? Shorinji Kempô, in Deutschland noch eher unbekannt („Shorinji„ ist die japanische Lesart von chinesisch „Shaolin“), folgte als nächstes und überraschte sicherlich viele Zuschauer durch die Kombination von traditioneller Mönchsgewandung und „Motorradhelm“ sowie durch seine Kompromisslosigkeit und Direktheit.
Den letzten Budo-Programmpunkt bildete die gemeinsame Vorführung von Kendô & Naginata. Die Kendô-Komponente beinhaltete Kirikaeshi, Ai-Gagarigeiko, verschiedene Technikübungen und ein geradezu hypnotisches „Suburi-Ballett“. Die Naginata-Vorführung startete mit mehreren Kata aus Jiki Shinkage-Schule, eine Koryû Naginatajutsu, mit der man in Europa in der reinen Form nur höchst selten in Kontakt kommen kann. Speziell für den Besuch in Deutschland einstudiert war die beindruckende Rythm Naginata-Choreographie – wie es sich für japanisch-deutsche diplomatische Begegnungen gehört, natürlich zu Beethovens „Daiku“. Insbesondere in Köln überraschte wohl die Kendô-Treibenden unter den Zuschauern diese Art der Vorführung zu Musik, wie man sie auch immer wieder bei besonderen Karate-, Aikidô- und anderen Budo-Veranstaltungen sehen kann. Potenzielle Frage zur Ernsthaftigkeit der Kunst klärte postwendend der Sieg Naginata über Schwert im folgenden gemischten Kampf.
Das Finale bildete ein Tanz aller Vorführenden, an dem auch das Publikum freudig teilnahm und die Schwitzetücher schwenkte. Danach entfaltete sich das Trommelfeuer der Blitzlichter in der Halle und so manches Dutzend Abschiedsphotos wurde geknipst. Nach der Rettung der Präsidentin des DNagB vor der Entführung durch die Nittaidai-Rikishi verabschiedeten wir uns von Chihiro, Aya und Emi, mit denen wir in den letzten Tagen so viel unternommen hatten und gingen immer noch begeistert von dieser phantastischen Vorführung nach Hause. Wir sehen uns wieder in Japan!

Autor: Andreas Nicol

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